#11 Wajigasch – „Und er trat heran“
1. Mose 44,18-47,27
Hesekiel 37,15-28; Lukas 24,30-48
Im Umgang mit seinen Brüdern hatte Joseph für Benjamin zumeist eine Sonderbehandlung vorgesehen.
Benjamin wurde beim gemeinsamen Bankett bevorzugt:
Und man trug ihnen besondere Gerichte von dem auf, was vor seinem Angesicht gestanden hatte; das besondere Gericht für Benjamin aber war fünfmal größer als die besonderen Gerichte von ihnen allen. Und sie tranken und wurden fröhlich mit ihm. (1. Mose 43,34)
Benjamin wurde der Becher Josephs in den Sack gesteckt, wodurch er unter Verdacht geriet, den Pharao bestohlen zu haben:
Er aber fing an zu suchen beim Ältesten und kam bis zum Jüngsten. Da fand sich der Becher in Benjamins Sack. (1. Mose 44,12)
Und auch als sich Joseph seinen Brüdern längst zu erkennen gegeben hatte, bekam Benjamin ein größeres Geschenk als seine Brüder:
Und er schenkte ihnen allen Festgewänder, jedem Einzelnen; Benjamin aber schenkte er 300 Silberlinge und fünf Festgewänder. (1. Mose 45,22)
Warum diese Sonderbehandlung? Und warum bevorzugte Joseph Benjamin immer wieder in der Gegenwart seiner Brüder? Sollte er nicht von seinem Vater, welcher ihn selbst vor all seinen Söhnen bevorzugte, gelernt haben, dass es nicht gut gehen kann, einen Bruder immer wieder gesondert zu behandeln?
Nun, wir könnten natürlich annehmen, dass Joseph genauso unachtsam war wie sein Vater und Benjamin einfach so sehr mochte, dass er ihm gern mehr schenkte. Doch warum sollte er ihn dann dem Verdacht des Diebstahls aussetzen?
Könnte es nicht vielmehr sein, dass Joseph seine Brüder testete? Könnte es sein, dass er mit Benjamin, der ja an dem Verbrechen der Söhne Jakobs gegen Joseph unbeteiligt gewesen sein musste, die Loyalität seiner Brüder testete? Würden sie weiter zu Benjamin halten, auch wenn er den Becher gestohlen hatte? Würden sie ihn wieder dafür hassen, wenn er mehr Geschenke und eine größere Portion beim Mahl bekommt als sie?
Für Joseph war es immens wichtig, zu sehen, ob seine Brüder sich verändert hatten. Haben sie Buße getan und tut ihnen ihre Tat leid oder würden sie es heute genau so wieder machen?
Nur in ihrer Umkehr konnte wieder eine Beziehung zwischen Joseph und ihnen aufgebaut werden. Doch ob die Brüder sich verändert hatten, musste Joseph erst herausfinden.
Und tatsächlich hielten sie zu Benjamin, auch wenn er sie in Schwierigkeiten brachte. Insbesondere Judah setzte sich für seinen jüngsten Bruder ein (Vgl. 1. Mose 44,18-34), was Joseph die Freiheit gab, sich seiner Familie zu offenbaren.
Durch die Prüfungen Josephs wurden die Herzen seiner Brüder offenbar – ihm und ihnen.
An Jospeh, welcher ein Bild auf den Messias Jeschua darstellt, sehen wir ein Beispiel, wie und warum auch Gott unsere Herzen prüft. Es geht Ihm darum, unsere Bereitschaft zur Umkehr offenbar zu machen – wobei wir die Offenbarung nötiger haben, als Er.
Nur durch entsprechende Prüfungen wird uns wirklich bewusst, was in unseren Herzen ist. Haben wir Buße über unsere Fehler aus der Vergangenheit getan oder liegt bei bestimmten Themen noch Arbeit vor uns?
So wie Joseph, möchte sich Jeschua uns immer tiefer offenbaren und eine innige Beziehung zu uns haben. Doch ist es dafür wichtig, unsere Feindseligkeit gegen ihn – unser Fleisch (Vgl. Römer 8,7) – zu kreuzigen. Durch Gottes Prüfungen wird uns unsere fleischliche Gesinnung oft erst bewusst.
Alle Wege des Menschen sind rein in seinen Augen, aber der HERR prüft die Geister. (Sprüche 16,2)
Insofern ist jede Prüfung und jede – auch manchmal schmerzhafte – Herausforderung ein Geschenk an uns, an deren Ende eine intimere Gemeinschaft mit dem Schöpfer von Himmel und Erde stehen soll. Lasst uns diese Prüfungen dankbar annehmen!
Bildquelle: http://www.freebibleimages.org/illustrations/joseph-reunion/
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