Marsch des Lebens, Berlin 2015
In Berlin wurde am 8. Mai 2015 der 70. Gedenktag des Kriegsendes und der 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen Israel-Deutschland gefeiert. Die israelische Fahne wehte im Regierungsviertel zwischen der deutschen und der europäischen Flagge und die israelische Delegation fuhr im Konvoi durch die Straßen der Stadt. Es wurden zahlreiche Veranstaltungen von Künstlern und Politikern angeboten und viele Menschen kamen in die Hauptstadt, um diese Tage der Befreiung zu feiern. Darunter auch die Initiative „100 Tage Gebet – Gedenken und umkehren – Deutschland & Israel“. Auch sie fand Ihren Abschluss in Berlin und feierte ihre Freundschaft zu Israel mit Gottesdiensten und Gedenkfeiern im ehemaligen Gebäude des Holocausts.
Der „Marsch des Lebens“ ist eine besondere Initiative der Versöhnung zwischen Deutschland und Israel. Der Abschluss und Höhepunkt wurde am Brandenburger Tor gefeiert mit Musik, Gebet und Ansprachen. Der Kantor der jüdischen Synagoge Berlins hat den Kiddusch gesungen. Der Platz war von einer ganz besonderen Atmosphäre eingehüllt, die den Kantor sehr berührte. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde aus Lukas 4 und Jesaja 61 gelesen und genau in diesem Augenblick strahlte das Sonnenlicht auf die Bühne und über den Platz.( Livestream: ttp://www.marschdeslebens.org/)
Was hatte das alles mit mir zu tun? Polen, Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich und Israel? Das ist das Europa meiner Großeltern. In diesen Ländern hatten sie ein gutes Leben geführt und dort lebte die große Familie. Doch der 2. Welt Krieg zerstörte Hab und Gut, zerstreute die Familien, Hunger, Tod und Gefangenschaft zerbrachen ihre Seelen. Die Überlebenden haben nach dem Krieg alles unter einer schweren Decke des Schweigens gelegt. Meine Schwester und ich sind die dritte Generation und haben viel davon gespürt und wahrgenommen. Doch die Alten schwiegen und unsere Eltern feierten. Aber immer wieder kamen Sätze oder Verhaltensweisen durch, die wir Kinder nicht so verstanden. In den 90er Jahren als ich nach Deutschland ging, gab es viele gemischte Gefühle in meiner Familie, dennoch mache ich mich auf den Weg. Bei meiner Großmutter fing die ganze Bedrückung und das Schweigen an zu bröckeln. Sie fing an zu reden, zunächst ganz wenig und dann immer mehr. Bis sie eines Tages unter Tränen und tiefer Angst mir die Herkunft meines Vaters offenbarte und die Geschichte meiner Großmütter. Es war so schwer für sie und ich sollte ihr versprechen, es geheim zu halten. So hatten wir plötzlich 3 Großeltern aus Polen, Österreich und Frankreich! Natürlich fragte ich meine Eltern und sprach mit meiner Schwester darüber und so begann ein langer Weg über Frankreich nach Deutschland, Polen und Israel. Ausgerechnet in Deutschland fand ich wieder zum Glauben und GOTT führte mich bis zu den Wurzeln unserer Familie und unseres Glaubens. 2011 war es so weit und ich besuchte zum ersten Mal Israel. Halleluja!!! Israel das Land unserer Väter wurde in mir sehr lebendig! Aber es gab noch eine Decke des Schweigens und Leids zu durchbrechen, was so tief in der Seele steckte und so unüberwindbar schien. In Yad Vashem und in Gesprächen mit Holocaustüberlebenden kam es hoch und dann habe mich entschlossen, Bücher und Filme anzuschauen. 2013 entdeckte ich das Buch „Die Decke des Schweigens“ von Jobst Bittner, TOS Verlag. Das Bild des Buches hat mich sofort an diese schwere Decke des Schweigens in unserer Familie erinnert. Nach langem Zögern kaufte ich es und lass es unter Tränen und Schmerzen. Es wurde mir so klar und bewusst, was unsere Großeltern (sie waren Täter und Opfer) durchgemacht haben und ich verstand ihr Trauma und Verhalten besser und was es mit uns Kinder der 3. Generation gemacht hatte. 2015 war es so weit und ich entschloss mich, am Marsch des Lebens teilzunehmen, genau 70 Jahre danach!
Es ist ein Zeichen GOTTES, eine Verabredung und eine Heilung von Wunden, was mich viel Überwindung gekostet hat, körperlich wie auch seelisch. Während des Marsches in Berlin hörte ich immer wieder „Steht zu meinem Volk“! Obwohl das gerade passierte, kam eine tiefe Traurigkeit, ein Gefühl des Verlassenseins über mich, mitten in diesem Marsch.
Das Volk Israel mitten unter den Nationen steht isoliert, schutzlos und einsam da! Mögen die Flaggen in der Hauptstadt Deutschlands nicht nur symbolisch sein, sondern auch Realität werden! Möge Israel ein Segen für die Nationen werden und ein Segen für alle die den GOTT Israel und sein geliebtes Volk lieben und segnen.
P.V.
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