Hingehaltene Hoffnung – Tochelet maschak

Hingehaltene Hoffnung macht das Herz krank; ein erfüllter Wunsch aber ist ein Baum des Lebens. Sprüche 13:12
Aufgrund der aktuellem Situation weltweit und von dem, was ich selber erlebe und um mich herum sehe, habe ich einmal wieder über den Vers „Hingehaltene Hoffnung“ nachgedacht. Was bedeutet es, wenn sich unsere Hoffnung, die wir über lange Zeit hegen und bebeten, einfach nicht erfüllt, oder, wenn sich Prophetien oder Erwartungen nicht erfüllen?
Jeder kennt sicher die Freude, wenn sich ein langgehegter Wunsch erfüllt hat. Aber was ist, wenn sich Hoffnungen einfach nicht erfüllen? Woran liegt es? Manchmal ist es Abba YHWH, der sich gerne Zeit lässt, um unser Herz zu prüfen, manchmal liegt es vielleicht auch an unseren Hoffnungen. Sind die Hoffnungen, die wir – manchmal auch unterbewußt mit uns herumtragen – noch zeitgemäß? Wir leben in der „letzten Zeit“ und rein wirtschaftlich und politisch betrachtet, werden wir uns vielleicht manche Wünsche nicht mehr erfüllen können. Oder gibt es zum Beispiel eine Sünde in deinem Leben, die die Erfüllung eines Wunsche, einer Sehnsucht verhindert?
Sehr schnell können Enttäuschung, Desillusionierung, Hoffnungsverlust und auch Bitterkeit entstehen, wenn sich unsere Hoffnungen/Wünsche nicht erfüllen. In manchen Fällen kann das lange Warten auf das, was wir uns sehnlichst wünschen, für uns zu einem solchen Leiden werden, dass es sich kaum von einer lang anhaltenden Krankheit unterscheidet. Dieses Szenario ist die genaue Bedeutung von Salomons Worten “hingehaltene Hoffnung macht das Herz krank”.
Der Begriff “hingehalten” (maschak) bedeutet in dem Vers “aufschieben” oder “hinausschieben”, wie in einem langwierigen Prozess. Hingehaltene Hoffnung kann viele Dinge betreffen: ein Gebet um Erlösung für einen geliebten Menschen, das Jahr für Jahr unbeantwortet bleibt, eine quälende Arbeitssuche mit endlosen Bewerbungsgesprächen und Ablehnungen, ein langwieriger Kampf mit einer Krankheit oder auch Sehnsüchte aus der Kindheit nach Zugehörigkeit, nach „Gesehenwerden“, nach einer tiefen Beziehung, etc…. Da kann jeder selber einmal schauen und den Ruach HaKodesh fragen, denn vieles, was da gärt, kann sehr hinderlich sein für unsere Beziehung zu Abba und Menschen und eine Blockade auf dem Weg in unsere Berufung. Auch ist manchmal die Einschätzung der Realität etwas verzerrt, wenn es darum geht, was wir hoffen und uns wünschen.
Während wir sehnsüchtig auf etwas Wichtiges hoffen und es immer wieder aufgeschoben wird, kann die Sehnsucht, die wir empfinden, unser Herz krank machen. Das Wort Herz (lev) in dem Vers verkörpert nicht nur den geistigen oder emotionalen Kern, sondern den ganzen inneren Menschen. Wenn etwas “das Herz krank macht”, verursacht es Verzweiflung und Bedrängnis. In einer Übersetzung wird der Vers so wiedergegeben: “Wenn die Hoffnung zerschlagen wird, wird das Herz zerschlagen.” Aufgeschobene Hoffnung kann zu Depressionen, Ängsten und tatsächlich zu körperlicher Krankheit führen. Wenn wir so lange auf eine „gute Sache“ warten, dass sich dieses Verlangen und diese Erwartung in Hoffnungslosigkeit verwandeln, können wir geistig ausgetrocknet und anfällig für die Angriffe des Feindes werden. Deshalb ist es um so wichtiger, jede Hoffnung auf Yahshua zu werfen und allein von IHM die Erfüllung zu erwarten.
Im zweiten Teil von Sprüche 13:12 wird der Gegensatz zur Hoffnung aufgeschoben: “Aber ein erfüllter Wunsch ist ein Baum des Lebens.” Der Baum des Lebens steht für die Erneuerung des Lebens. Wenn unsere Hoffnungen und Sehnsüchte erfüllt sind, werden wir erfrischt. Wenn unsere Gebete erhört werden, werden wir ermutigt. Wenn wir das Gute erhalten, was wir uns gewünscht haben, erfahren wir eine Sättigung der Seele. Salomo wiederholt das Gefühl in Sprüche 13:19: “Eine erfüllte Sehnsucht ist süß für die Seele”.
Enttäuschte Hoffnungen machen das Herz krank, und je höher die Erwartungen sind, desto größer ist die Frustration. Es kann zwar hervorragend sein, zu bekommen, was wir uns wünschen, aber wir dürfen nicht zulassen, dass das Streben nach Erfüllung zu einer Versuchung zur Sünde wird. Warten ist eine Gelegenheit, YHWH zu vertrauen und ihm zu erlauben, in unseren Herzen zu wirken und unseren Charakter zu stärken: “Wenn wir uns aber auf etwas freuen, das wir noch nicht haben, müssen wir geduldig und zuversichtlich warten”
Römer 8,25;
Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so erwarten wir es mit standhaftem Ausharren
Römer 5,4
..das standhafte Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung; die Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Ruach HaKodesh, der uns gegeben worden ist.
Wir sollten diese langen Strecken als Gelegenheit sehen, uns YHWH zuzuwenden und uns in unserer Schwachheit auf ihn zu verlassen.
Psalm 62:2,5
Nur auf YHWH wartet still meine Seele; von ihm kommt meine Rettung.
Nur auf YHWH wartet still meine Seele; denn von ihm kommt meine Hoffnung.
Unsere unerfüllten Wünsche und aufgeschobenen Hoffnungen können uns zu reichen Begegnungen mit unserem Erlöser führen: “YHWH ist gut zu denen, die auf ihn hoffen, zu denen, die ihn suchen; es ist gut, in Stille auf das Heil YHWHs zu warten”
Klagelieder 3,25-26;
YHWH ist mein Teil! spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen.
YHWH ist gütig gegen die, welche auf ihn hoffen, gegen die Seele, die nach ihm sucht.
YHWH allein ist die wahre Erfüllung unserer Sehnsüchte und Hoffnungen.
Wenn aufgeschobene Hoffnung unser Herz krank macht, schaue auf YHWH/Yeshua: “Und sage, YHWH, wohin setze ich meine Hoffnung? Meine einzige Hoffnung ist in dir”.
Psalm 39,7
Und nun, YHWH, worauf soll ich hoffen? Meine Hoffnung gilt dir allein!
Wenn wir unsere Hoffnung allein auf den Messiach setzen, werden wir nicht enttäuscht werden, denn Er ist “ein starker und vertrauenswürdiger Anker für unsere Seelen”.
Hebräer 6:19
Diese [Hoffnung] halten wir fest als einen sicheren und festen Anker der Seele, der auch hineinreicht ins Innere, hinter den Vorhang…
Eine andere Frage ist, wie wir mit Hoffnung umgehen, wenn es um andere Personen geht. Machen wir Menschen Hoffnung für etwas, was wir nicht einhalten können oder machen wir jemandem Hoffnung in einer Notsituation mit Aussagen, die nicht biblisch sind, weil es zu radikal klingen würde? Wollen wir einfach nett sein und sprechen Worte der Hoffnung aus, die letztlich aber nichts mit der Realität des Wortes oder der Zeit, in der wir leben, zu tun haben. Ich erinnere mich zum Beispiel an meine Zeit in der charismatischen Gemeinde und wie dort mit Verheißungen umgegangen wurde. Nichts war an eine Bedingung geknüpft, wie es im Wort gelehrt wird. So kamen oft große Enttäuschungen über die Zeit zustande, weil die Hoffnung auf ein falsches Fundament gesetzt war.
Möglicher Weise gibt es auch eine Art tiefer latenter Hoffnungslosigkeit, die sich durch unser ganzes Leben zieht. Es kann sein, dass es etwas Ererbtes ist von unseren Eltern – ein transgenerationales Trauma – oder auch eine Sünde, die uns von Abba getrennt hat. Bei einem Trauma, wo wir tief erschüttert wurden und unser Glauben ans Leben verloren haben oder etwas ähnliches unseren Eltern passierte und es sich auf uns übertragen hat, kann es auch zu einer (verdeckten) Hoffnungslosigkeit kommen, die leider nicht einfach durch die Bekehrung/Teshuva verschwindet. Oft brauchen wir auch hier den Ruach Ha Kodesh, um das aufzudecken. Dadurch wurde vielleicht auch das ganze Weltbild verschoben und jegliches Hoffen auf Erlösung von dieser Hoffnungslosigkeit scheint oft vergeblich bis wir uns der Wahrheit über das Leben aus der Sicht Abbas öffnen.
Die Trennung von YHWH aufgrund von Sünde sehen wir bei 1. Mose 4, wo Kain aufgrund des Mordes an seinem Bruder und der damit in Zusammenhang stehenden Lüge Abba gegenüber, als er nach dem Verbleib seines Bruder gefragt wurde, getrennt wurde. Durch solch eine Sünde kann es sein, dass wir von Abba getrennt sind, unser Leben sich irgendwie ziellos und sinnlos anfühlt und unsere Energie immer wieder in Vergeblichkeit verpufft, obwohl wir Dinge in Zielstrebigkeit angehen. Das macht einen natürlich krank auf Dauer und die Hoffnungslosigkeit scheint endlos zu sein. Aber auch hier gibt es Gnade und Befreiung, wenn wir uns der Wahrheit stellen.
Psalm 85.2 Yah, du hast deinem Land [einst] Gnade gewährt, hast das Geschick Jakobs gewendet,
hast vergeben die Schuld deines Volkes, hast alle ihre Sünde zugedeckt. (Sela.)
Dieser Vers sollte uns motivieren, uns auf die Suche nach dem Sinn unseres Lebens zu machen und uns nicht abhalten zu lassen von vergangener Sünde oder schlechtem Gewissen.
Ich glaube, besonders in dieser Zeit, ist das Thema Hoffnung sehr relevant, denn wir müssen einfach davon ausgehen, dass die endzeitliche Zukunft Situationen bereit hält, die uns enttäuschen könnten, wenn wir kein richtiges Fundament oder die richtige biblische Sicht der Dinge haben. Manches mag uns dann sinnlos oder hoffnungslos erscheinen. Wenn wir aber den Sinn unseres Lebens aus der Sicht YHWHs erkennen, wird das unserer Existenz die Bedeutung geben, um die wir wissen müssen, wenn kommende Erschütterungen nahen. Wenn du den Sinn deines Lebens (oder auch deine Berufung) nicht kennst und aktiv erfüllst, dann wird dein Leben ein Mangel an Bedeutung haben, und ein bedeutungsloses Leben ist ein hoffnungsloses Leben. Das führt oft zu Depressionen und Niedergeschlagenheit bis hin zu einer abgrundtiefen Dunkelheit. Als Hiob durch seine qualvollen Leiden ging, erschien sein Leben absolut hoffnungslos und diese Hoffnungslosigkeit und eine tiefe Dunkelheit verschlangen ihn:
Hiob 7:16
Ich habe genug! Ich will nicht ewig leben; laß ab von mir; meine Tage sind [nur] ein Hauch!
Dein Leben musst du nicht ohne Hoffnung leben, weil es von dem Moment an mit Bedeutung gefüllt wird, wenn du den wahren Sinn deiner Existenz erkannt hast. Und diese Sinnhaftigkeit wird dir erlauben, dein Leben zu vereinfachen mit essentiellen Dingen, Zielen, Entscheidungen, die in Yah gewurzelt sind und von Ihm geleitet werden. Dann wirst du deine Zeit weise verbringen und deine Gespräche werden Bedeutung haben und von geistlichem Wert sein.
Ideen, wie du dich dem Thema persönlich nähern kannst
- Fange doch einmal an, deine Hoffnungen und Wünsche zu untersuchen und aufzuschreiben, sowie auch den Ruach zu fragen, welche versteckten Hoffnungen, du mit dir trägst.
- überprüfe deine Hoffnungen und Wünsche und bringe sie zu Yahshua, der sie auf Seine Weise und nach Seinem Zeitplan erfüllen wird. Vielleicht ganz anders als du denkst.
- Schau mal, ob deine Wünsche noch zeitgemäß sind in diesen letzten Tagen, bevor Yashuah wiederkommt. Ich denke, wir sollten recht nüchtern sein und unseren Fokus auf das Wesentliche richten und in unsere persönliche Berufung hineinpressen.
- Ich habe angefangen einmal aufzuschreiben, wo ich lange auf die Erfüllung einer Hoffnung gewartet habe und hatte tatsächlich „Bäume des Lebens gefunden“. Sammel doch mal die Bäume des Lebens, erinnere dich an die Freude, die du dabei erlebt hast und danke YHWH dafür.
- Frage den Ruach, ob es noch eine Sünde in deinem Leben gibt, die die Erfüllung eines Wunsche, einer Sehnsucht verhindert.
Baruch HaSHem YHWH, ER ist unsere Antwort für jegliche Hoffnung.
Rivkah
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