#27 Acharei Mot/Kedoschim – „Nach dem Tod/Heilige“

Acharei Mot/Kedoschim
3. Mose 16,1-20,27
Amos 9,7-15; Matthäus 15,10-20; Markus 12,28-34
Die Lesung Kedoschim erläutert uns viele einzelne Gebote, die unser Leben heiligen sollen. Es heißt dazu:
Darum sollt ihr meine Satzungen und meine Rechtsbestimmungen halten, denn der Mensch, der sie tut, wird durch sie leben. Ich bin YHWH! (3. Mose 18,5)
In den Geboten Gottes steckt das Leben. YHWH hat die Welt durch sein Wort geschaffen und alle Elemente darin gut aufeinander abgestimmt. Derzeit erleben wir allerdings, wie diese von Gott geschaffene Welt sich mit riesigen Schritten, von seinem guten Willen entfernt.
Die Achtung der Alten
Beispielhaft für diese Entwicklung sehen wir uns folgenden Vers aus Kedoschim an:
Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Person eines Alten ehren; und du sollst dich fürchten vor deinem Gott! Ich bin YHWH. (3. Mose 19,32)
Gott weiß natürlich, dass die Alten einer Gesellschaft das Fundament für das Leben der aktuell jungen Generation gelegt haben. Um dieser Leistung Respekt zu zollen, erwartet YHWH, dass wir die Alten ehren. Außerdem verfügt die Generation der Alten über viel mehr Erfahrung und Wissen. Das qualifiziert sie oft dazu, die Jungen vor Fehlern zu bewahren und recht zu beraten.
Heute leben wir allerdings in einer Gesellschaft, in der gealterte Menschen kaum noch den Respekt bekommen, den sie nach Gottes Willen verdienen. Rentner werden aus dem öffentlichen Arbeitsleben gedrängt und verarmen zunehmend. Laut Daten des statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2019 waren 15,7% der Menschen über 65 Jahren von Armut betroffen.
Werden Menschen im Alter pflegebedürftig, kommen sie oft in Pflegeheimen unter. Viele Menschen sind nicht mehr bereit oder auch nicht in der Lage, sich um ihre gealterten Eltern selbst zu kümmern. So verständlich und naheliegend die Fremdbetreuung und-pflege in jedem Fall auch sein mag, zeigt uns diese Entwicklung doch eine generelle Ausrichtung der Gesellschaft.
Alte Menschen haben ihren Dienst getan und werden aussortiert.
Gottes Sicht auf das Alter
Dabei offenbart uns die Bibel eine gänzlich andere Perspektive auf das Alter.
Die Richter und Vorsteher des Volkes sollten aus den Ältesten des Volkes rekrutiert werden (Vgl. 5. Mose 21,19). Damit nahmen sie eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft ein.
Es ist auch nur logisch, dass die Ältesten als Richter und Beamte über die bestehende Ordnung in der Gesellschaft wachen sollten, schließlich waren sie diejenigen, die diese Ordnung aufgestellt hatten. Dabei hatten die Väter wohl auch den Blick für ihre Kinder. Sie wollten ihren Nachkommen eine Gesellschaft hinterlassen, in der sie gut leben können.
Der beste Weg, um das zu erreichen, ist das Gesellschaftsmodell, wie es uns in der Torah und im Speziellen auch in Kedoschim beschrieben wird.
Wenn nun aber die junge Generation den Respekt vor den Alten verliert, drückt sie damit auch ihre Verachtung gegenüber den Werken der Alten aus. Sie missachtet die Leistungen der Vorfahren und meint es besser zu können.
Die Vorfahren als Stellvertreter Gottes
Im Grunde nehmen die Eltern eine ähnliche Stellung für ihre Kinder ein, wie sie Gott für alle Menschen inne hat. Nicht umsonst vergleicht YHWH sich selbst mit einem Vater (Vgl. 5. Mose 8,5) und wird von Jeschua auch so benannt.
Wenn also eine Gesellschaft seine Alten missachtet und ihnen die Ehre versagt, ist Gleiches über die Beziehung eben dieser Gesellschaft gegenüber Gott festzustellen.
Man meint, es besser zu können oder zu wissen als der Schöpfer, der alles nur aus einem Grund erschaffen hat. Er möchte, dass es seinen Geschöpfen gut geht.
Wie schwer mögen die derzeitigen Entwicklungen in Altenheimen oder Krankenhäusern vor Gottes Thron wiegen? Wie schwer muss es Gott fallen, dies alles zu ertragen? Und welchen Schaden fügen sich die Menschen damit selbst zu?
Lasst uns in dieser Welt bewusst ein Gegengewicht sein. Lasst uns bewusst Zeichen der Liebe und Buße setzen. Und lasst uns bewusst schauen, wie wir unsere Alten segnen und wie wir von ihnen lernen können. Es ist letztlich an uns, die Welt ein bisschen besser zu machen als sie ist. Lasst uns Jeschua Raum geben, sodass er durch uns wirken kann!
- Der mutige Hirte - 29. Februar 2024
- 21 Ki Tisa – “Wenn du erhebst” - 25. Februar 2024
- #20 Tetzaveh – “Du sollst gebieten” - 18. Februar 2024
