Ephraim auf dem Weg – 12. Auf der anderen Seite
– Beachte: Dies ist Teil 12 von “Ephraim auf dem Weg” – Weitere Teile –
Nadav konnte nicht schlafen. Er wälzte sich von der einen Seite auf die andere. Eigentlich hätte er sehr müde sein müssen. Sie waren an diesem Tag viel gelaufen, nachdem sie am Morgen ihren zweiten Lagerplatz im Bergland abgebaut hatten. Nun waren sie wieder in der Ebene und das viele Bergablaufen hatte jeden von ihnen müde gemacht. Ganz in der Nähe des Weges, der nach Norden führt, hatten sie erneut ihre Zelte aufgeschlagen. Der Platz lag westlich vom Bergland in einer Gegend, in der sich Nadav noch nicht sonderlich gut auskannte. Bisher hatte er auch nicht das Verlangen dazu. Zu nah war es am großen Graben und dem Norden des Landes, der für die meisten unbekannt und nicht erforscht war.
Eigentlich hätte Ephraim auch schon längst zurück sein müssen, dachte Nadav weiter. Vor einigen Stunden, als die anderen sich schon schlafen gelegt hatten, ist er noch einmal losgezogen. Er hätte noch etwas zu erledigen, meinte er. Was genau, hat er nicht gesagt. Für Nadav war das kein Problem. Er kannte Ephraim und genauso wie er selbst hatte auch er seine Macken. Sie konnten sich wunderbar gegenseitig stehenlassen und das war die Grundlage für die gute Freundschaft, die sich zwischen ihnen entwickelt hatte. Nadav rechnete es Ephraim hoch an, dass er ihm nie das Gefühl gegeben hatte, dass er sich für etwas Besseres halten würde. Sicherlich trug dazu auch das Erlebnis seiner Vergiftung und Jotam bei. Seitdem war Ephraim viel überlegter und für ihn nahbarer geworden.
Doch wie schon damals – das wurde Nadav gerade deutlich – war Ephraim in diesen Tagen erneut in einem Veränderungsprozess. Seine Offenheit und den Mut, sogar wie vor einigen Tagen im Bergland Gefühle zu zeigen, waren etwas bisher Einmaliges. Genauso sind auch seine Alleingänge in letzter Zeit weniger geworden. Aber heute war es dennoch mal wieder soweit.
Nadav richtete sich in seinem Schlafsack auf. Auf der anderen Seite des Zeltes sah er Ephraims Sachen. Sie waren unberührt. Doch seinen Wanderstab hatte er mitgenommen. Hatte das etwas zu bedeuten? Er krabbelte aus seinem Schlafsack, zog sich Schuhe an und ging aus dem Zelt.
Die Nacht war sternenklar und durch den bevorstehenden Vollmond relativ hell. Am Feuerplatz glühten noch ein paar Holzscheite. Die beiden Zelte der anderen standen ruhig und still da. Die beiden Frauen und Gideons Familie schienen alle tief zu schlafen.
Sollte er etwas unternehmen wegen Ephraim?
In diesem Augenblick durchbrachen plötzlich Rufe die Stille der Nacht.
„Nadav!!! Nadav…!!!“
Eine Gestalt kam vom Weg auf den Zeltplatz zugerannt. Er erkannte schnell, dass es eine Frau war. Sie kam aus westlicher Richtung. „Mirjam? Bist du es? Was ist los???“
„Nadav… Du musst mitkommen… Schnell… Ephraim…“
„Was…? Von was sprichst du? Was ist passiert?“. Nadav Vermutung, dass es Mirjam sei, hatte sich bestätigt. Sie war völlig außer Atem und im Lichte des Mondes konnte er ihren ernsten Gesichtsausdruck erkennen. „Was ist passiert, Mirjam?“
Jetzt erst sah er, dass sie Ephraims Wanderstock in ihrer Hand hielt.
„Ich bin Ephraim heimlich gefolgt. Ich wollte gucken wohin er will. Er ist über eine Brücke gegangen… Du weißt schon… Über den großen Graben…“. Mirjam war noch außer Atem. Man sah, dass sie gerne schneller sprechen würde.
„Waaas? Was wollte er da…?“. Nadav spürte, wie es ihm die Kehle zuzog.
„Das weiß ich nicht. Er ging sehr vorsichtig… Hat sich immer wieder versteckt. Doch irgendwann kamen plötzlich Menschen. Sie haben Ephraim gesehen und sind zu ihm gerannt…“
„Was ist dann passiert…? Wo ist Ephraim jetzt?“, Angst machte sich in Nadav breit. Er versuchte dagegen anzukämpfen, aber der Gedanke an die andere Seite des Grabens ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren.
„Sie haben ihn angegriffen. Auf ihn eingeschlagen. Ich weiß nicht warum… Ich konnte leider nichts machen. Erst als sie weg waren bin ich zu ihm.“ Mirjams Stimme wurde langsam fester. „Wir müssen ihm helfen. Ich habe ihn versucht zu stützen, damit er zurücklaufen kann. Doch er war zu schwer und dann ist er zusammengebrochen… Nadav…“ Mirjam machte eine Pause und schaute Nadav direkt in die Augen. „Ich glaube… sie haben ihn vergiftet…“
Nadav, der sonst nie ein Problem damit hatte, einen kühlen Kopf zu bewahren, blieb der Mund offen stehen.
Nachdem er nichts erwiderte, sprach Mirjam weiter. „Er hatte einige kleine Pfeile im Körper stecken! Ich habe sie ihm herausgezogen. Aber ich gehe davon aus, dass sie giftig waren. Sonst wäre er nicht so zusammengesackt. Hier…“
Mirjam hielt zwei Pfeile in der Hand und zeigte sie Nadav. Doch dieser konnte keinen klaren Gedanken fassen. Was hatte das alles bedeuten?
„Nadav! Wir müssen was tun! Lass uns Ephraim zurückholen! Weißt du, wer etwas gegen das Gift ausrichten könnte?“. Mirjam sprach eindringlich auf Nadav ein, der wie benommen wirkte.
Doch langsam wurde Nadavs Verstand klarer. „Ja… Ja, natürlich! Wir wollten eh in die Richtung. Wir müssen ihn zu Jedediah bringen. Er ist einer von den Weisen. Er wohnt nördlich von hier.“
„Was ist denn hier los???“ Rut war wach geworden und stand nun am Eingang ihres Zeltes und schaute erschreckt auf die vor sich abspielende Szenerie.
„Ephraim ist verletzt worden. Wir müssen zu ihm…“, erklärte Mirjam schnell in kurzen Sätzen.
Nun kam auch Nadav auf Hochtouren. „Rut! Es ist am besten, wenn ihr hier bleibt. Packt morgen in aller Frühe unsere ganzen Sachen zusammen. Tragt sie etwas vom Weg weg und haltet euch dort den Tag über auf. Achtet darauf, dass ihr vom Weg aus nicht gesehen werdet. Morgen Nachmittag hole ich euch ab.“
„Und was macht ihr…?“, fragte Rut, der nun auch die Aufregung ins Gesicht geschrieben stand.
„Wir suchen Ephraim und bringen ihn zu jemandem, der ihm helfen kann…“, antwortete nun Mirjam.
Miram und Nadav liefen direkt los.
„OK… Viel Erfolg!“, rief Rut ihnen noch etwas unbeholfen hinter.
„Warte…!“, Mirjam blieb stehen und schaute zu Nadav. „Wir brauchen den Karren!“
„Du hast Recht!“, antwortete Nadav und lief noch einmal zum Lager zurück. Wenige Augenblicke später kam er mit dem Wagen im Schlepptau wieder.
Die beiden liefen so schnell es ihre Ausdauer und der Karren zuließen. Doch es dauerte nicht lange bis sie zur Brücke kamen, die über den großen Graben führte. Bisher war Nadav nur ein einziges Mal auf der anderen Seite gewesen. Es war nur für kurze Zeit und mit Begleitung von Ephraim. Und eigentlich hatte er sich geschworen, nie wieder dorthin zu gehen.
Mirjam führte sie direkt hinter der Brücke auf einen Weg nach Norden.
„Wo hast du ihn zurückgelassen, Mirjam?“, fragte Nadav keuchend.
„Es müsste bald kommen. Ganz genau weiß ich es nicht mehr…“
Eigentlich war Nadav der Optimist in Person. Aber in diesem Moment war das anders. Seine Gedanken spielten verrückt. Was ist wohl mit Ephraim passiert? Was, wenn die Männer zurückgekommen sind? Wie würde das Gift wirken? Warum überhaupt musste Ephraim erneut Opfer von einer solchen Aktion werden?
Der Weg führte nun am Rande eines Waldes entlang. „Hier…“, sagte Mirjam. „Diese Gegend kommt mir bekannt vor. Es kann nicht mehr weit sein. Ich habe ihn versucht, an den Wegrand zu ziehen, damit man ihn nicht schon von weitem sieht.“
Es dauerte nur wenige Augenblicke. Dann hatte Nadav etwas entdeckt.
„Hier! Schau mal. Da sind Schleifspuren auf dem Boden…“ Er zeigte auf eine Stelle unmittelbar vor ihm. Sie folgten den Spuren an den Wegrand. Doch dieser Platz war leer.
„Wo ist er?“, sagte Mirjam.
Sie suchten mit ihren Augen angestrengt die unmittelbare Gegend ab. Nadav kniete sich nieder und inspizierte den Boden auf weitere Spuren. Mirjam lief abseits des Weges im Gebüsch. Dann rief sie. „Hier ist er. Nadav, ich habe ihn gefunden!“
Ephraim lag nur wenige Meter weiter hinter einem Baum. Nadav und Mirjam waren erleichtert. Doch als sie seinen Zustand sahen, änderte sich das wieder. Ephraims Augen waren geschlossen. Er lehnte mit dem Kopf an einem Baum und atmete schwer.
„Wir müssen ihn auf den Karren legen…“, sagte Nadav und holte den Karren von der Straße ins Gebüsch. Als er ihn neben Ephraim abgestellt hatte, sah er, dass Mirjam mit großen Augen zu ihm blickte und ihren Finger auf den Mund gelegt hatte. Sie schien etwas zu hören und ihrem Gesichtsausdruck zur Folge war sie darüber alles andere als erfreut.
„Pferde!!“ Nadav ging schnell auf den Boden. „Hoffentlich sehen sie uns nicht. Vor allem nicht den Karren…!“
Nadav fühlte sich wie in einem schlechten Film. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, als er sah wie auf dem Weg zwei Reiter auftauchten, die auf ihren Pferden galoppierend an ihnen vorbei zogen.
„Pferde, Reiter,… Sind wir hier im Mittelalter?“, flüsterte Mirjam ungläubig.
„Unglaublich! Gott sei Dank, haben sie uns nicht entdeckt. Auf, lass uns keine Zeit verlieren!“, sagte Nadav.
Mit vereinten Kräften hievten sie Ephraim auf den Karren. Dieser stöhnte und schien große Schmerzen zu haben. Nadav zog den Wagen auf den Weg, während Mirjam von hinten schob.
„Wir müssen vorsichtig sein, dass uns keiner hört und sieht. Lass uns so schnell wie möglich zurück zur Brücke…“, sagte Nadav.
In diesem Moment regte sich Ephraim und sprach mit langsamer, leiser Stimme. „Nein!“ Man konnte ihn kaum hören. Deshalb kletterte Mirjam auf den Wagen und ging dicht zu ihm. „Er sagt, andere Brücke… nach Norden…“, rief sie Nadav zu.
„Waas?! Ist er ganz von Sinnen… Wir gehen doch nicht unnötig lange durch dieses Gebiet!“, Nadav war fassungslos. Mirjam sagte nichts, schaute aber mit festem Blick zu Nadav.
„Ok, ihr habt gewonnen.“ Nadav drehte den Karren, so dass er in die entgegengesetzte Richtung zeigte. „Er wird sich hoffentlich etwas dabei gedacht haben…“
„Egal, was wir machen. Wir müssen uns auf jeden Fall beeilen, Nadav!“, Mirjam hatte mit ihren Händen Ephraims Stirn gefühlt. „Ephraim ist ganz heiß und voller Schweiß.“
Mirjam sprang vom Karren und half mit, den Karren zu schieben. Und das war auch bitter nötig, da der Weg zunächst bergauf führte. Als sie die Anhöhe erreicht hatten, stoppte Nadav. Er zog eines seiner Shirts aus und lief zum Wegrand. Ein kleiner Bach floss hier entlang. In diesen tauchte er das Shirt und gab es Mirjam. „Kühl damit Ephraims Gesicht. Das wird helfen. Und am einfachsten ist es, wenn du bei ihm sitzen bleibst und ich euch beide ziehe. Den Weg geht ist nun abschüssig, so dass es kein Problem ist, wenn ihr beide drauf sitzt.“
Mirjam kletterte auf den Karren und umsorgte Ephraim so gut es ging. Dieser war weiterhin wie benommen.
Nun war für Mirjam endlich ein Augenblick gekommen, etwas durchzuatmen. Sie kniete neben Ephraim und schloss für einige Minuten ihre Augen und dachte nach. Was ist das nur für ein seltsames Land? Manchmal überfordert es einen ganz schön. Wie ist sie nur in diese Lage gekommen?
Plötzlich hörte sie, wie Ephraim versuchte, etwas zu sagen. Sie blickte auf und schaute zu ihm. Tatsächlich, seine Lippen bewegten sich. Mirjam hielt ihr Ohr ganz nahe an sein Gesicht, um ihn zu verstehen. „Das… Code-Wort…“, nur sehr langsam kamen die Worte aus seinem Mund. „…im Westen… nichts Neues…“.
Das war alles!
Mirjam schaute ungläubig auf. „Was soll das heißen? Was willst du damit sagen?“ Sie schaute ihn irritiert an. Doch Ephraims Mund blieb geschlossen. Er war wie eingeschlafen und atmete tief.
In diesem Moment hielt Nadav den Karren an. Er lauschte er in die dunkle Nacht.
„Hast du etwas gehört?“, flüsterte Mirjam nach wenigen Augenblicken.
„Ich dachte. Aber ich glaube, ich habe mich getäuscht. Der Karren ist ziemlich laut dafür, dass man nicht entdeckt werden möchte. Ich wünschte, wir wären schon auf der anderen Seite des Grabens.“
Nadav lief weiter. Es war ein Geschenk des Himmels, dass der Weg so gut zu befahren war. Es war trocken, relativ hell und dazu verlief der Weg weiterhin bergab.
Nach einigen Metern wiederholte Nadav die Prozedur. Er hielt an und hörte. Wie zuvor ging er dann aber doch wieder weiter.
Doch beim vierten Mal nicht! Nadav blieb stehen und zeigte nach vorne. „Jetzt gibt es nichts zu überlegen!“ Mirjams Blicke folgten dem Weg. In einiger Entfernung machte er eine Kurve. Doch zwischen den Bäumen konnten sie einige kleine Lichter sehen. Sie bewegten sich und kamen eindeutig in ihre Richtung!
Mirjam und Nadav reagierten blitzschnell. Während Mirjam vom Wagen heruntersprang, hatte Nadav schon einen Platz abseits des Weges ausgemacht, wo sie hinter einige Büsche fahren konnten. Der Ort war nicht perfekt, aber sie hofften, dass es reichen würde, um nicht vom Weg aus gesehen zu werden. Sie stellten den Karren ab und legten sich erneut auf den Waldboden.
Die Minuten kamen Mirjam wie eine Ewigkeit vor. Von ihrem Platz aus konnte sie den Weg an manchen Teilen einsehen. Nach und nach wurden Stimmen lauter. Eine Gruppe von circa acht Menschen ging in die Richtung aus der sie gekommen waren. Als sie auf ihrer Höhe waren, hielt Mirjam den Atem an und schloss die Augen. Bitte, Vater! Lass sie uns nicht entdecken…
Die Gruppe ging vorbei!
Nadav und Mirjam warteten noch einige Minuten, bis sie die Gruppe nicht mehr sehen und hören konnten. Dann zogen sie schnell den Wagen wieder auf den Weg und liefen weiter.
„Allzu lange kann es nicht mehr sein.“, sagte Nadav. „Ich kenne mich hier zwar nicht aus, aber vom Gefühl her, sollte wir bald an der anderen Brücke sein.“
„Wie weit ist es dann noch bis zum Weisen? Wie hieß er doch gleich?“, fragte Mirjam.
„Jedediah! Ich bin mir nicht sicher. Bisher habe ich ihn erst einmal besucht und die zweite Brücke kenne ich noch gar nicht. Ich hoffe, sie liegt nicht allzu weit nördlich.“, antwortete Nadav.
In diesem Moment hörten sie eine tiefe, laute Stimme. „Warum folgt ihr dem Weg der Sterne?“
Nadav blieb stehen und schaute in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war. Ein Mann kam hinter einem der Bäume hervor. In seiner Hand trug er einen dicken Wanderstock. Er hatte einen dunklen Mantel an und einen schwarzen Hut auf seinem Kopf. Sein Gesicht war nicht genau zu erkennen, wirkte aber hart. Ungebrochen starrte er zu Nadav.
„Was? Was wollen sie?“, fragte Nadav den Unbekannten.
„Warum folgt ihr dem Weg der Sterne?“, fragte der Mann noch einmal.
„Ich verstehe ihre Frage nicht? Wir folgen keinen Sternen!“ Nadavs Stimme klang fest, aber deutlich irritiert.
Dann, ohne ein weiteres Wort zu sagen, drehte sich der Mann um und ging mit eiligen Schritten von ihnen weg tiefer in den Wald hinein.
Nun hatte Mirjam plötzlich eine Idee. Laut rief sie ihm hinterher. „Im Westen nichts Neues!“
Abrupt blieb der Mann stehen. Langsam drehte er sich um und ging auf sie zu. „Der Pfad des Gerechten ist gerade. Geradeaus bahnst du den Weg des Gerechten.“
Nadav blickte abwechselnd zu dem Mann und zu Mirjam. „Habe ich irgendwas verpasst?“
Doch auch Mirjam war überrascht. Sie wusste nichts weiter zu sagen.
Doch das war auch nicht nötig.
Nach einer kurzen Pause sprach der Mann weiter. „Endlich seid ihr da… Bin so froh! Dacht‘ schon, ihr würdet gar nich‘ mehr erscheinen. Was‘n mit Ephraim? Hat er’s tatsächlich nich g’schafft? Hattn extra dafür die Code-Wörter ausgemacht.“
„Ephraim ist auch dabei.“, antwortete Nadav. „Aber leider ist alles etwas anders gekommen.“ Mit einem Kopfnicken deutete er auf den Karren und erklärte dann mit ein paar wenigen Sätzen, was passiert war.
„Meine Güte! Lasst uns schnell weg hier. Ich helf‘ dir mit’m Ziehen. Sind dann schneller. Bis zur Brücke ist es nicht weit.“ Der Mann lief zu Nadav und ergriff einen der Stäbe des Karrens. „Ach, übrigens… Ich bin Shimon.“
Es dauerte tatsächlich nicht mehr lange bis sie die Brücke erreicht hatten. Und auch wenn es Ephraim weiterhin nicht gut zu gehen schien, war Mirjam erleichtert, dass sie den Wald und dieses Gebiet hinter sich gelassen hatten. Alle drei fühlten sie sich jetzt freier. Doch da Nadav und Shimon mit einer ansprechenden Geschwindigkeit den Karren zogen, war es für sie anstrengend, währenddessen viel zu reden. Doch sie erfuhren das Nötigste. Shimon hatte lange in einem der Dörfer auf der anderen Seite gewohnt. Als Ephraim sich eines Tages hineingeschmuggelt und lange mit Shimon geredet hatte, verstand Shimon auf was er sich eingelassen hatte. Anschließend planten sie die Flucht Shimons. Schon lange im Voraus hatten sie also diese Nacht geplant.
Nachdem sie über die Brücke waren, konnte sich Nadav schnell wieder orientieren. Er führte sie auf einem Weg zurück nach Süden.
Mirjam saß weiterhin auf dem Wagen und kühlte mit dem nassen Lappen Ephraims Gesicht. Sein Zustand war unverändert. Doch nun merkte sie, wie müde sie eigentlich war. Die ganze Nacht über hatte sie noch nicht geschlafen. Vorhin wollte sie noch nicht schlafen und hatte sich deshalb etwas abseits von ihrem Zelt auf eine Decke gelegt, um nachzudenken. Dabei hatte sie gesehen, wie Ephraim den Zeltplatz verlassen hatte. Nach kurzem Abwägen war sie ihm dann gefolgt.
Nadavs Worte ließen sie aufschrecken. War sie eingeschlafen? Sie schaute sich um. Sie fuhren auf einem holprigen Weg. Vor ihnen stand ein großes Haus, das trotz seiner Größe versteckt zwischen Bäumen lag.
„Wir sind da! Gott sei Dank haben wir es gefunden!“, sagte Nadav.
Sie fuhren den Wagen direkt neben die Eingangstür. Dann klopften sie. Kurz danach noch einmal.
Nur einige Augenblicke später sahen sie, wie innen ein Licht angeschaltet wurde.
Die Tür öffnete sich und ein alter Mann mit langem Bart schaute sie erschrocken an.
„Nadav!? Was für eine Überraschung!“
…
Weiter geht es in Teil 13…
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