Ephraim auf dem Weg – 13. Licht ins Dunkel
– Beachte: Dies ist Teil 13 von “Ephraim auf dem Weg” – Weitere Teile –
Nadav saß an einem Schreibtisch, hatte einen Stift in der Hand und war über ein Buch gebeugt.
Na das waren mal intensive Tage! Ich bin richtig froh, dass ich jetzt Zeit gefunden habe, um die Erlebnisse auf Papier bringen zu können und um mich gedanklich etwas zu ordnen. Das Wichtigste vielleicht zuerst: Ephraim ist wieder deutlich auf dem Weg der Besserung. Mirjam, Shimon und ich konnten ihn den fürsorglichen Händen Jedediahs übergeben und dieser hat ganze Arbeit geleistet. Es ist immer wieder faszinierend, was die Weisen für einen Schatz an Wissen und Erkenntnis haben.
Das Problem war wohl nicht, dass Ephraim den einen oder anderen Schlag abbekommen hatte. Die Giftpfeile hatten ihm zugesetzt. Jedediah konnte aber sehr schnell darauf reagieren. Das Gift sei wohl „Lashon hara“ gewesen und bestimmte Trockenfrüchte aus Jedediahs Vorrat konnten dem Gift entgegenwirken. Nur wenige Stunden später ist Ephraim zum erstmal wieder aufgewacht. Aber trotzdem ist er weiterhin sehr schlapp und ruht sich viel aus.
Es sieht wohl so aus, als wäre es für Ephraim in Zukunft nicht mehr so einfach möglich, auf die andere Seite des Grabens zu gehen. Er ist zu bekannt und es hat sich anscheinend herumgesprochen, dass er sich mehrfach hineingeschmuggelt und andere herausgeholt hat. Darauf sind viele Dorfleiter nicht gut zu sprechen und sie beugen mit bestimmten Meinungen gegenüber Ephraim vor. Dieses „Lashon hara“ hat Ephraim nun bei seinem letzten Besuch abbekommen.
Ich denke, nicht nur ich als bester Freund, auch die anderen spüren, dass Ephraim derzeit einen gewaltigen Prozess durchmacht. Erst vor einigen Tagen hatte ihm Jotam empfohlen, keine Alleingänge mehr zu unternehmen. Und jetzt wurde ihm ein solcher zum Verhängnis. Wie Gott immer alles so lenkt und leitet… Das ist auf der einen Seite faszinierend, aber auf der anderen Seite steigert es auch meine Ehrfurcht vor Ihm.
In den letzten Tagen habe ich mit Ephraim einige Male gesprochen. Nicht nur darüber, wie es weitergeht. Auch über seine Alleingänge. Und – ob man es glaubt oder nicht – er hat sich sogar bei mir entschuldigt. Das hat mich sehr bewegt! Vielleicht aber noch viel mehr deshalb, weil ich merke, wie Ephraim noch stärker in diesem Prozess wächst. Er war schon die ganze Zeit eine besondere Leiter-Persönlichkeit. Und wenn jetzt noch solche charakterlichen Stärken hinzukommen… Ich bin sehr gespannt, was Gott noch alles mit ihm vorhat.
Wir sind alle so dankbar dafür, dass Mirjam in der Nacht von Ephraims Ausflug mitbekommen hatte, dass er das Lager verließ. Man möge sich nicht ausmalen, was sonst passiert wäre. Gefunden hätten wir ihn wahrscheinlich nicht.
Nachdem wir dann zu viert bei Jedediah angekommen waren, war die Nacht schon so gut wie vorbei. Es dämmerte bereits. Aber trotzdem musste ich mich für ein paar Stunden hinlegen und ausruhen. Anschließend bin ich dann wieder zurück zu Rut, Gideon und Rinah und den Kindern gelaufen – erneut den Karren hinter mir herziehend. Aber dieses Mal bin ich schön auf der sicheren Seite geblieben… Zuerst habe ich sie gar nicht gefunden, doch dann sahen sie mich und kamen aus ihrem Versteck heraus. Rut hatte alles wunderbar geregelt und unter Kontrolle. Ich hatte mir schon gedacht, dass es ihr leicht fällt, die Leitung zu übernehmen und alles zu regeln. Es hätte nicht perfekter sein können. Sie hatten alle Zelte abgebaut und nach dem Zusammenpacken an einer etwas versteckten Stelle eine Plane gespannt, da es am Morgen regnete. Sogar an Ephraims Wanderstock hatten sie gedacht.
Natürlich wollten sie erstmal über alle Geschehnisse informiert werden. Und diese erschreckten sie ziemlich. Aber genauso freuten sie sich darüber, dass wir jetzt einen Weisen treffen würden. Wir luden alles auf den Karren und gingen dann zu Jedediah und den übrigen. Zum Glück haben er und seine Frau so viele Kinder (ich glaube sieben). Diese sind nämlich schon alle ausgezogen und dadurch hat das Haus sehr viel Platz für Gäste.
Jetzt sind wir mittlerweile schon den vierten Tag hier. Und vor allem Ephraim tut diese Erholungszeit gut. Es ist schön, mal eine etwas längere Ruhephase zu haben. Alle merken, dass sie die ganzen Eindrücke erstmal verarbeiten müssen. Und schließlich genießen es auch die Kinder von Gideon und Rinah, hier bei Jedediah und seiner Frau – sie heißt übrigens Neria – zu sein. Stundenlang sitzen sie zu ihren Füßen und lauschen ihren Geschichten. Und schon oft ist es passiert, dass auch wir Erwachsenen alles um uns herum vergessen und ganz aufmerksam zuhören. Von Jedediah und Neria kann man so viel lernen. Es ist herrlich. Man vergisst die Zeit, hängt an ihren Lippen und ist überwältigt, wenn sie Zusammenhänge erklären.
Nur mit Shimon hat man das Gefühl, dass es nicht ganz so einfach ist. Zu Beginn war es richtig schön mit ihm. Er berichtete von seinen Erlebnissen auf der anderen Seite und das Leben dort. Er sagte auch mehrfach wie froh er war, dass Ephraim ihm geholfen hat, dort weg zu kommen. Und jeder von uns freute sich mit Shimon.
Nun ist es allerdings so, dass er deutlich zeigt, nicht glücklich darüber zu sein, bei einem Weisen und seiner Frau zu sein. Er fühlt sich sichtlich unwohl und verschwindet regelmäßig, wenn diese etwas erzählen.
Gestern sprach ihn darauf an. Und meine Eindrücke und Befürchtungen waren mehr als begründet. Innerlich zuckte ich richtig zusammen, als ich ihn reden hörte. Er meinte, Jedediah sei Jude und deshalb wollte er nichts von ihm lernen. Es sei gefährlich Juden zuzuhören. Ich war wie vor den Kopf gestoßen und wusste gar nicht, was ich darauf sagen sollte. Doch ich habe mir vorgenommen, ihn heute noch einmal darauf anzusprechen. Am Ende bekam ich noch von ihm heraus, dass Jedediah auf der anderen Seite des Grabens sehr bekannt ist! Mehr noch, es wird sogar öffentlich vor ihm gewarnt!
„Nadav…!“
Rut war in Nadavs Zimmer geplatzt und hatte die Tür aufgerissen. Sie war sehr aufgebracht. „Ich glaube es wäre gut, wenn du runter kommst!“
Mirjam spürte wie ihr Herz vor Wut raste! Was erlaubte sich dieser Mensch eigentlich?
„Wie kannst du so über Jedediah reden!?“, empörte sich Mirjam lautstark in Shimons Richtung gewandt. „Wir dürfen hier zu Gast sein, werden so herzlich von ihm versorgt und du sagst solche Dinge. Das kann ich nicht begreifen!“
„Seid ihr‘n alle blind?“ Auch Shimon war entrüstet und redete alles andere als leise. „Jedediah is‘n Jude! Wollt ihr lieber Traditionen folgen als der wahr‘n Schrift?“
Mirjam schüttelte den Kopf. „Wer sagt denn, dass Jedediah und Neria nicht der Schrift folgen? Sie meinen es so gut mit uns. Sie haben so viel Weisheit und Liebe für jeden. Ich kann gar nicht glauben, dass man solche Worte über sie sagt…“
„Noch dazu, wenn sie gar nicht dabei sind…“ Nun schaltete sich auch Rinah ein, die neben ihrem Mann, Gideon, auf der Couch saß und ebenfalls in Richtung Shimons schaute. „Soweit ich das gelernt habe, fällt das unter Lashon Hara.“
„Habt ja keine Ahnung!“ Shimon winkte ab. „Ihr wisst nich‘, wer die wahr‘n Juden sind. Und was Jedediah angeht sag‘ ich doch nur die Wahrheit!“
„Aber selbst die Wahrheit kann doch Lashon hara sein, Shimon.“, entgegnete nun Nadav der mit Rut das Wohnzimmer betreten hatte und den letzten Wortwechsel mitbekommen hatte.
„Hervorragend!“ Shimon wandte sich erleichtert Nadav zu. „Nadav, mit dir kann man doch red‘n. Siehst das denn nich‘ auch so, dass die Juden mit ihren Traditionen die Torah aufheb‘n?“
Nadav öffnete seinen Mund und wollte gerade antworten. Doch in dem Moment kam ihm schon Mirjam dazwischen.
„Was hast du nur für ein Problem mit den Juden? Und warum sprichst du immer über die Juden so abwertend?“ Mirjam war jetzt richtig würtend.
„Und was is mit dir?“ Shimons Stimme war nun sehr laut. „Warum bist’n der große Juden-Fan? Bist wohl auch eine von denen?“
Mirjam stockte. Mit einem Schlag wusste sie nichts mehr zu sagen. Tausend Gedanken schwirrten in ihrem Kopf. Ihre schon lange verstorbene Großmutter. Der Spaziergang mit ihrer Mutter vor einigen Jahren, in der sie Mirjam erzählte, dass Mirjams Oma vor über 70 Jahren von einem Tag auf den anderen neue Eltern und eine neue Heimat erhielt. Dazu die vielen Fragen, mit denen sie sich seitdem auseinandergesetzt hatte.
Und als sie merkte, dass nun alle Augenpaare auf sie gerichtet waren, wusste sie, dass ihr Geheimnis seit heute kein Geheimnis mehr war.
„Lass dich nicht entmutigen, Ephraim! Der Vater hat einen wunderbaren Plan für dich. Und ich habe das Gefühl, dass es sehr wichtig ist, dass du diesen Weg gehst.“ Nerias weiche Stimme und ihre warmherzigen Worte waren wie Samt auf Ephraims aufgewühltem Gemüt. „Ephraim. Du bist für viele ein so großes Vorbild. Gott hat einen Weg für dich und diejenigen, die dir folgen. Er wird es dir zeigen.“
Jedediah, der in der Mitte zwischen seiner Frau und Ephraim lief, legte für einen kurzen Moment seinen Arm um Ephraims Schulter und drückte ihn zu sich. „Du bist ein großartiger Leiter, Ephraim. Und unser Vater ist voller Liebe für dich! Ist es nicht herrlich, dass du mit so wundervollen Menschen unterwegs sein darfst!?“
Ephraim genoss die Zeit mit dem Ehepaar sehr. Lange hatten sie auf einer Bank im Wald gesessen und über die Zukunft und Ephraims Rolle gesprochen. Trotz aller Unruhe fühlte er sich bei Jedediah und Neria geborgen wie ein Kind. Ein ganz ungewohntes Gefühl für ihn.
Eine Änderung stand bevor, das spürte er. Doch wie sah diese genau aus? Jedediah und seine Frau gaben ihm in dieser Lage Rückhalt und Stärke. Mehr als jemals zuvor erlebte er in diesen Tagen, wie ihm die Gemeinschaft mit anderen Menschen half und Kraft gab.
Mittlerweile waren sie auf dem Rückweg von ihrem Spaziergang.
„Habe nur Mut, Ephraim.“, sprach nun Jedediah weiter. „Manchmal fühlt man sich so, als würde man im Dunkeln tappen. Doch wir dürfen wissen, dass der Vater alles unter Kontrolle hat. Vor vielen Jahren schrieb mir mein älterer Bruder eine Karte mit kostbaren Worten. Seitdem trage ich sie immer bei mir. Schau hier…“ Aus der Innentasche seines Mantels zog Jedediah nun eine zusammengefaltete Karte in Postkartengröße und überreichte sie Ephraim. „Nimm sie ruhig. Ich schenke sie dir…“
Ephraim wollte schon etwas entgegnen. Als er aber Jedediah ansah, wusste Ephraim, dass er ihn nicht umstimmen würde. Insofern bedankte er sich.
„Vielen Dank, Jedediah!“ Ephraim faltete die Karte auseinander und las.
Wenn ein Zug durch einen Tunnel fährt und es sich verdunkelt, wirfst du nicht einfach dein Ticket weg und springst raus. Du sitzt still da und vertraust dem Lokführer. Vertraue daher geduldig und im Gebet deinem himmlischen Vater, der alles zum Guten führen wird, was für dich aussichtslos erscheint.
„Ich denke, du weißt sogar schon, wohin die Reise geht. Oder, Ephraim?“, sagte Jedediah.
„Ja, ich denke schon…“, entgegnete Ephraim zögernd.
Sie waren nur noch wenige Meter vom Haus entfernt. Im Garten spielten die Kinder von Gideon und Rinah. Plötzlich flog die Haustür auf und Shimon kam hinaus. Er schien aufgebracht und schüttelte seinen Kopf.
„Ich wollte es euch schon längst erzählen. Aber bisher kam es nie dazu…“ Erklärte Mirjam den anderen.
„Hast du denn das Gefühl, dass es etwas ist, was dir peinlich sein müsste?“, fragte Rut, als sie auf Mirjam zuging. „Ich finde es total spannend und ich würde mich freuen, wenn du mir die ganze Geschichte dazu erzählst!“
„Naja,… An Shimons Reaktion eben habt ihr ja gesehen, dass diese Tatsache nicht unbedingt freudige Reaktionen mit sich bringt. Ich habe schon so viele Judenfeindliche Kommentare gehört. Insofern wusste ich nie, wem ich das anvertrauen kann und wem nicht.“, erklärte Mirjam.
„Ach das ist doch Quatsch!“, entgegnete Rinah. „Ich finde, es etwas sehr kostbares solch ein Erbe zu haben! Wer weiß… Vielleicht haben wir ja auch jüdische Vorfahren.“
In diesem Moment ging die Tür auf Ephraim und Neria traten herein.
„Hallo zusammen. Hier war wohl einiges los, was?“ begrüßte Ephraim die anderen.
„Ich habe gerade von meinen jüdischen Wurzeln berichtet. Das kam wohl nicht bei jedem so gut an.“, sagte Mirjam.
„Naja… Es war eher nur ein Tropfen, der bei jemandem das Fass hat überlaufen lassen.“, ergänzte Rut.
„OK. Ich denke, ich versteh schon.“, sagte Ephraim. „Shimon hat diesbezüglich noch andere Ansichten. Aber das ist nicht schlimm. Sicherlich ist es nicht verkehrt, wenn er sich etwas mit Jedediah austauscht.“
„Sie reden miteinander?“, fragte Nadav überrascht.
„Ja, er ist uns ja praktisch in die Arme gelaufen.“, antwortete Neria. „Und Jedediah hat die Chance beim Schopfe ergriffen.“
„Oh. Das ist wirklich gut!“ Nadav lächelte beruhigt.
„Darf ich eine Frage stellen?“ Alle schauten nun zu Gideon. Doch keiner fühlte sich mit dieser Frage direkt angesprochen. Also redete Gideon kurz danach einfach weiter.
„Ich kann zwar Shimons Sicht nicht teilen, aber seine Argumente schon nachvollziehen. Also… wie ist das denn mit den ganzen Traditionen?“
„Gut dass du diese Frage stellst, Gideon!“, antwortete Nadav. „Ich mach mal den Anfang und dann kann ja gleich jemand von den anderen noch ergänzen.“
Nadav machte eine kurze Pause und schaute kurz in die Runde. Nachdem keiner widersprach, redete er weiter.
„Ich denke, bei diesem Thema muss man sich zunächst verdeutlichen, woher wir kommen. Viele der Leute in diesem Land haben noch vor wenigen Monaten Weihnachten und Ostern gefeiert. Sie haben Traditionen gelebt, die ihren Ursprung in anderen Religionen und weitestgehend nicht in der Bibel hatten.
Doch dann haben sie die Hintergründe zu diesen Traditionen herausgefunden und gehen mit diesem Schritt erstmal auf Abstand von allem was nicht mit der Bibel zu tun hat. Das ist nicht verkehrt und ein ganz typischer Ansatz. Man möchte nichts mehr mit den falschen Traditionen zu tun haben und geht dann zunächst soweit, dass man generell Traditionen ablehnt.
Doch wie bei einem Pendel, kommen die meisten auch aus diesem anderen Extrem wieder zurück. Sie verstehen, dass Traditionen etwas Hilfreiches sind – nämlich dann wenn sie biblische Wahrheiten unterstützen.“
Nadav schaute zu Neria, die an diesem Punkte ansetzte.
Sie lächelte Nadav an. Dann wandte sie sich an Gideon.
„Immer mehr Menschen in diesem Land übernehmen auch die jüdischen Traditionen. Nicht weil sie es müssten, sondern weil sie entdecken, dass sie kostbar und hilfreich sind. Das ist natürlich nicht verwunderlich, da sie ja schon einige Jahrtausende alt sind. Und – so wie Nadav bereits sagte – sie helfen im Leben mit der Torah. Denn genau das ist ihr Grund. Sie verleihen der Torah eine besondere Note. Wie die Sahne auf einem Eis.“
Neria strahlte über das ganze Gesicht während sie redete. Jeder spürte, dass sie über ihr Herzensthema sprach. „Traditionen sollen helfen, das Leben in der Torah zu verinnerlichen und regelrecht zu erleben. Nehmen wir zum Beispiel das Pessach-Fest. Es ist gefüllt mit Traditionen: Die Kinder stellen Fragen, der Sederteller mit den unterschiedlichen Zutaten, die verschiedenen Lieder,… Sie alle sollen helfen, den Auszug aus Ägypten niemals zu vergessen und sich an die Einzelheiten zu erinnern. Denn darum geht es! Es ist sogar ein Gebot, sich regelmäßig an den Auszug zu erinnern. Und wenn Kinder bittere Kräuter oder Mazzabrot essen, Lieder singen und die Geschichte des Auszugs hören, wird das lebendig. Es ist das beste Mittel, um seine Kinder zu lehren. Was ja ebenfalls ein sehr wichtiges Gebot der Torah ist.“
„Ich denke die Kinder sind ausschlaggebend, oder?“ sagte Rinah. „Gerade wenn man Kinder hat, merkt man, wie Rituale und Traditionen helfen und Sicherheit geben. Außerdem habe ich mir mal überlegt, dass man doch eigentlich immer irgendwelche Traditionen entwickelt. Egal ob Jüdische oder nicht. Jede Familie hat sie. Und wie schön ist es dann, wenn sie helfen, die Bibel zu vermitteln.“
„Ja, genau!“, sprach nun Neria wieder. „Du weißt wovon du redest. Wenn man Kinder hat, will man nicht mehr ohne Traditionen. Kinder lieben sie und sie prägen auf eine starke und tiefgehende Weise.“
„Ich finde es wichtig, dass man sich stehenlassen kann.“, ergänzte nun Nadav. „Es gibt viele, die über andere schimpfen, nur weil sie Traditionen übernehmen. Aber wir sind nun mal verschieden gestrickt und stehen an unterschiedlichen Punkten.“
Gideon nickte und bedankte sich. Jeder schien mit dem Gesagten zufrieden zu sein.
Dann wechselte Mirjam, der aufgefallen war, dass Ephraim sich nicht am Gespräch beteiligt hatte, das Thema. „Ephraim, was ist mit dir los? Du siehst so nachdenklich aus!“
„Was?“ Ephraim schaute überrascht auf. „Ich überlege… Ich überlege, wie unsere Reise weitergeht.“ Er schaute nun zu Nadav und sprach dann weiter. „Vielleicht sollten wir uns mal zusammensetzen und beratschlagen.“
„Oh, ich denke, ich weiß schon wie es weitergeht.“ Nadav grinste über das ganze Gesicht. „Ich bin bereit wenn du bereit bist!“
Ephraim schaute irritiert. „Irgendwas ist anders als sonst. Seit wann bist du so abenteuerlustig? Weißt du, was alles auf uns zukommen könnte…“
„Ja, das weiß ich. Aber wir haben doch schon lange vermutet, dass es bald soweit kommen würde, oder?“, antwortete Nadav.
„Könntet ihr vielleicht aufhören, so kryptisch zu reden, und uns wenigstens ein bisschen in eure Planungen einweihen?“, platze Rut heraus.
„Verzeihung! Natürlich… Also unser Ziel ist das Verheißene Land. So wie früher.“ Ephraim schaute mit einem spitzbübischen Lächeln zu Rut. „Aber zunächst haben wir noch eine etwas unbequeme Aufgabe vor uns. Rut, magst du eigentlich Sümpfe?“
Rut musste schlucken.
„Aber bevor wir darüber nachdenken, wie und wann es weitergeht, sollten wir uns um Shimon bemühen.“, sagte Nadav. „Es ist wichtig, dass wir als Einheit und ohne ungeklärte Streitereien losgehen!“
„Ich glaube, dass dürfte schnell gehen…“, sagte Neria. „Schaut mal aus dem Fenster.“
Mirjam, Rut, Nadav, Ephraim, Rinah und Gideon verteilten sich auf die drei Fenster und schauten hinaus.
Draußen kamen Jedediah und Shimon nebeneinander auf das Haus zugelaufen. Beide redeten offensichtlich freundlich miteinander und an Shimons Gesicht war zu sehen, dass er entspannt und glücklich war.
„Wow! Wie genial…“, sagte Rinah.
„Na, dann lasst uns unsere Sachen packen.“ Ephraim klatschte in die Hand. „Morgen geht es weiter! Auf geht’s zum großen Sumpf.“
…
Weiter geht es in Teil 14…
Ein Blick auf die Karte:
- Danke und Schalom – von Hosea Ben Zion - 26. Juli 2017
- Gesundheit, Sehnsucht und eine tiefere Beziehung – Wie sieben Früchte dein gestliches Leben stärken! (Teil 7) - 19. Juli 2017
- Gesundheit, Sehnsucht und eine tiefere Beziehung – Wie sieben Früchte dein gestliches Leben stärken! (Teil 6) - 18. Juli 2017

